Nach dem mein ursprünglich erlernter Beruf:
"Kfz.-Mechaniker"
ist, kann ich der nachfolgenden These voll zustimmen.
Bedeutet auch, es hier zu posten. Ist nicht on mir, nein.
Der Verfasser, Stefan Kühners, erlaubt das Teilen ausdrücklich.
Vorab die Veränderung, Entwicklung eines sehr angesehenen
Beruf, den es so nicht mehr gibt.
Es folgte der:
"Mechatroniker"
und dem folgt aktuell der:
"Akku-Schrauber"!
Mittlerweile stehe ich seit 31 Jahren täglich an der Hebebühne.
31 Jahre lang Autos repariert, zerlegt, geschweißt, vermessen,
umgebaut und wieder auf die Straße gebracht.
In dieser Zeit habe ich erlebt, wie Vergaser verschwanden,
Einspritzanlagen kamen, Airbags Einzug hielten, ABS, ESP,
Hybridantriebe und inzwischen Fahrzeuge, die mehr Steuergeräte
als manche Firmen Computer besitzen.
Und je länger ich diesen Beruf ausübe, desto häufiger stelle ich
mir eine Frage:
Sind moderne Autos wirklich die vernünftigere Wahl?
Früher stand ein Auto auf dem Hof, wenn etwas kaputt war.
Heute steht ein Auto auf dem Hof, wenn eine Warnlampe beschlossen hat,
dass ihr langweilig ist.
Früher wechselte man ein Leuchtmittel.
Heute tauscht man einen Scheinwerfer zum Preis eines guten
Gebrauchtwagens.
Früher war ein Traggelenk ausgeschlagen.
Heute ist der komplette Querlenker, die halbe Achse und
gefühlt die Finanzplanung des Besitzers betroffen.
Früher nahm man einen Schraubstock, eine Presse und
ein bisschen Fluchen.
Heute braucht man teilweise ein Software-Update, drei Freigaben
vom Hersteller und einen Kredit.
Neulich stand wieder so ein Kandidat auf dem Hof:
Fünf Jahre alt.
Top gepflegt.
Keine 100.000 Kilometer.
Technisch eigentlich noch ein Jungspund.
Diagnose:
Ein kleines Bauteil im Fahrwerk verschlissen.
Vor gefühlt ein paar Donnerstagen hätte man das betreffende Teil
ersetzt.
Heute sagt der Hersteller:
„Gibt’s nicht einzeln.“ (Man muss darüber übrigens teilweise nach
5 Jahren noch froh sein.. „gibt's nicht mehr“… hab ich nämlich leider
nach 5-7 Jahren auch schon gehört…
Also landet eine komplette Baugruppe im Schrott, obwohl 95 % davon
völlig in Ordnung sind.
Früher musste ein Ersatzteil passen.
Heute muss man es erst mit dem Auto anfreunden… nicht nur mit Codes,
mit WLAN zum Hersteller… hier ist wieder die Frage…. Wie lange
funktioniert das?? 30 Jahre?
Und dann fragen mich manche Leute, warum ich immer noch alte Mitsubishi,
Mercedes, Opel, Suzuki oder sonstige Dinosaurier rette.
Ganz einfach:
Weil ich dort ein Traggelenk tauschen kann.
Weil ich dort eine Buchse auspressen kann.
Weil ich dort einen Schalter reparieren kann.
Weil ich dort eine Leitung löten kann.
Und vor allem:
Weil ich dort noch entscheiden darf, wie etwas repariert wird.
Natürlich haben moderne Autos tolle Dinge:
Matrix-Licht.
Spurhalteassistent.
Massagesitze.
360-Grad-Kameras.
Aber ganz ehrlich:
Wenn mich ein Auto nachts nach Hause fährt, möchte ich nicht,
dass der Scheinwerfer plus Arbeitszeit mehr kostet als mein
erstes komplettes Auto.
Vielleicht werden Youngtimer deshalb gerade immer beliebter.
Nicht weil sie schneller sind.
Nicht weil sie sparsamer sind.
Nicht weil sie moderner sind.
Sondern weil man sie noch verstehen kann.
Und manchmal ist das wertvoller als jede App, jedes Touchdisplay und
jedes Software-Abo….
Klar, bei einer alten Kiste kann ich die Probleme auch nicht immer einfach
wegsingen, aber zumindest bei der Arbeit fröhlich und entspannt zur Musik
pfeifen. So soll es doch sein.
Vielleicht bin ich auch einfach nur alt geworden…Man soll ja heute Hipp sein
und mit der Zeit gehen…sich nicht so anstellen…mitmachen…
Ja ja... ich weis, und ich hab wieder mal zu oft „Früher“ geschrieben……
Egal. Früher war alles besser.. Früher war sogar Früher besser.
Jetzt entschuldigt mich bitte.
Ich muss schnell noch einen 34 Jahre alten Mitsubishi fertig reparieren.
Der braucht tatsächlich nur noch eine Buchse für 8,50 €….
PS.
Die hab ich sogar vorher mit einer schnell gezeichneten Form aus den
3d Drucker selbst gegossen. Hier geht das ja noch.
Aber was nix kostet…. is ja bekanntlich heute auch Nix. Schöne neue Welt…
P.P.S
Sehe ich das nach 31 Jahren an der Hebebühne einfach zu nostalgisch?
Oder habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?
Welches moderne Bauteil, welcher Defekt oder welche Reparatur hat euch
in den letzten Jahren am meisten überrascht, geärgert oder einfach nur
sprachlos gemacht?
Schreibt es in die Kommentare.
Und wenn ihr jemanden kennt, der sich schon einmal über einen
3.000-Euro-Scheinwerfer, einen nicht einzeln erhältlichen Querlenker oder
eine Warnlampe mit Eigenleben geärgert hat:
Teilt den Beitrag gerne.
TD’s Garage
Wo Reparieren noch Reparieren heißt und nicht Baugruppentausch mit WLAN-Verbindung.
Kfz.-Mechaniker gegen Automobilindustrie.
- gentleman-driver
- Moderator
- Beiträge: 3429
- Registriert: Montag, 30. Juli 2012, 16:29:23
- Wohnort: Rosenheim
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jogiomega
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- Registriert: Sonntag, 30. April 2017, 22:22:15
Re: Kfz.-Mechaniker gegen Automobilindustrie.
Hallo, als "Besitzer" nicht als "Reparateur" würde ich diesen Brief sofort unterschreiben.
Die Automobilindustrie treibt Stilblüten aus, das ist einfach unglaublich.
Gruß
Die Automobilindustrie treibt Stilblüten aus, das ist einfach unglaublich.
Gruß
Opel Senator 3.0i CD
Opel Insignia 2.8 V6 4x4
Saab 9.3II Turbo Cabrio BSR
Opel GT Roadster
Opel Insignia 2.8 V6 4x4
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